Mit dem offiziellen Kick-off ist das Verbundprojekt AgriFoodLoop gestartet. Unter der Leitung der Bonn Consulting Group arbeiten Partner aus Forschung, Biotechnologie und Industrie in den kommenden drei Jahren gemeinsam daran, Reststoffe aus der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft als wertvolle Ressourcen nutzbar zu machen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des GreenTech Innovationswettbewerbs.
Prozesswasser, Treber, Fasern und andere Nebenströme fallen tagtäglich in großen Mengen an – und enthalten zugleich wertvolle Nährstoffe und Rohstoffe, die bislang kaum genutzt werden. AgriFoodLoop will deshalb neue Wege schaffen, um diese Stoffströme nicht länger nur als Abfall oder Entsorgungsproblem zu betrachten, sondern gezielt in neue Wertschöpfungsketten zu überführen.
Eine digitale Plattform für zirkuläre Stoffströme
Im Zentrum von AgriFoodLoop steht eine offene digitale Plattform, die reale Stoffströme als vernetzte digitale Zwillinge abbildet. Ein standardisiertes Datenmodell, kompatibel mit dem ab 2027 geltendem Digitalen Produktpass (DPP), macht Nebenprodukte dabei erstmals durchgängig erfassbar und bewertbar – von ihrer Entstehung bis zu ihrer weiteren Nutzung.
So entsteht eine digitale Grundlage, um Potenziale in bestehenden Stoffströmen sichtbar zu machen: Wo fallen verwertbare Nebenprodukte an, und welcher Verwertungspfad ist unter den jeweiligen Bedingungen besonders sinnvoll? KI-gestützte Prognose- und Optimierungsverfahren helfen, solche Zusammenhänge zu erkennen – nachvollziehbar durch Explainable AI, statt als reine „Black Box“.
Beim Kick-off wurde dafür die gemeinsame technische Roadmap abgestimmt. Im Mittelpunkt standen der Aufbau des Datenmodells, die Entwicklung der ersten digitalen Zwillinge und die Planung der KI-Komponenten. Parallel starten die Vorbereitungen für die ersten Pilotanlagen, in denen die Plattform an realen Stoffströmen erprobt wird.
Zwei Praxisfälle zum Start
Wie das Konzept in der Praxis funktionieren kann, zeigt AgriFoodLoop zunächst an zwei Anwendungsfällen: Prozesswasser aus der Saft- und Gemüseverarbeitung sowie aus der Bierproduktion wird als Nährstoffquelle für die Kultivierung von Mikroalgen genutzt – aus einem Nebenstrom wird so der Ausgangsstoff für einen neuen biotechnologischen Prozess. Brauereitreber wiederum wird über Pilzfermentation zu Myco-Protein aufgewertet, einem hochwertigen Rohstoff für die zirkuläre Lebensmittelproduktion.
Beide Beispiele stehen dabei stellvertretend für eine größere Idee: Stoffströme sollen nicht isoliert betrachtet, sondern miteinander verknüpft und möglichst umfassend genutzt werden. Perspektivisch soll die Plattform deshalb auch weitere Nebenströme integrieren können – etwa Molkereirückstände, Bäckereinebenströme oder Gärreste.
Fünf Partner, ein gemeinsames Ziel
Das Konsortium bündelt Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Die Bonn Consulting Group verantwortet als Konsortialleiter Architektur und Plattformentwicklung, Fraunhofer HHI bringt seine KI- und Datenmodellierungs-Expertise ein, und das Institut für nachhaltige Agrarforschung IFN steuert Biotechnologie, Versuchsanlagen und Validierungsdaten bei. Auf Industrieseite liefern A. Dohrn & A. Timm reale Prozesswasserdaten aus der Saftproduktion, während Kontor N / Eat Beer Biotech Brauereidaten und Treber für den zweiten Anwendungsfall bereitstellen. Flankiert wird das Konsortium von 21 assoziierten Partnern – darunter DLG, CLAAS und die German Agribusiness Alliance –, die Transfer und Skalierung der Ergebnisse in die Praxis sichern.
Was soll am Ende des Projekts stehen?
In den kommenden drei Jahren soll eine Plattform entstehen, die Unternehmen dabei unterstützt, Nebenströme systematisch zu erfassen, ihre Potenziale zu bewerten und geeignete Verwertungspfade zu identifizieren. Die ersten Schritte dafür sind mit dem Kick-off bereits angestoßen. Jetzt beginnt für AgriFoodLoop die praktische Phase, mit dem Ziel, aus bislang ungenutzten Nebenströmen neue Rohstoffe zu machen.
